Grauer Süßwasserpolyp

Hydra vulgaris – Dunkelfeld.

Petrischale mit Hydrakultur.

Nematozyten (Stenotelen).
Der Süßwasserpolyp ist ein Modellorganismus für Praktika und Forschung. Beutefang, Nahrungsaufnahme, Zellaufbau, Regenerationsvermögen, Vermehrung durch Knospung und die Fortbewegung lassen sich gut beobachten. Bereits 1740 wurden erste Experimente von Abraham Trembley an Hydra durchgeführt.
Versuche und Beobachtungen:
Das beispiellose Regenerationsvermögen der Hydra hat sie zu einem Modellorganismus der Entwicklungsbiologie werden lassen. Der Süßwasserpolyp kann in mehrere Teile zerschnitten werden und es entwickeln sich vollständig neue Polypen.
Mit einfachsten Präparationstechniken (Quetschpräparat) werden die hochinteressanten Nematozyten (Nesselzellen) sichtbar. Die Durchschlags-, Wickel- und Klebkapseln gehören zu den interessantesten Zellorganellen im Tierreich. Die Entladung der Nesselkapseln gehört zu den schnellsten bekannten mechanisch ablaufenden biologischen Prozessen im Tierreich: Bei Hydra wurden Entladungszeiten von nur 700 Nanosekunden gemessen [1].
Unter der Stereolupe ist der Ablauf des Beutefangs und der Vorgang der Nahrungsaufnahme gut zu beobachten.
Kulturanleitung
Materialbedarf:
Kulturansatz, „Volvic naturelle“ (kein Leitungswasser), Glaspipette, Petrischale, lebende Daphnia (Wasserflöhe) oder Artemia (Salinenkrebse) als Futter.
Ablauf:
Die Süßwasserpolypen umgehend nach Erhalt mit einer Glaspipette in eine saubere (nicht mit Spülmittel gereinigte) Petrischale überführen. Mit „Volvic naturelle“ (auf keinen Fall Leitungswasser!) auffüllen und abdecken.
Optimaler Standort wäre dunkel bei Zimmertemperatur (18–20 °C).
Pflege der Kultur:
Mindestens einmal pro Woche mit lebenden Daphnia (Wasserflöhe) oder Artemia (Salinenkrebse) füttern. 2 Stunden nach dem Füttern müssen die toten Daphnia oder Artemia abgesaugt und das Wasser gewechselt werden.
Verdunstetes Wasser rechtzeitig mit „Volvic naturelle“ auffüllen.
Kultur von Artemia: 36 g Meersalz auf 1 Liter Wasser (Volvic). Salzlösung und Artemiaeier (max. ein halber Teelöffel) in einen Inkubator (z. B. von einer Plastikflasche den Boden abschneiden und verkehrt herum, Verschluss nach unten, aufstellen) geben. Mit einer Aquarienluftpumpe die Salzlösung ständig in Bewegung halten. Standort hell. Schlupf je nach Temperatur nach 36–48 Stunden. Artemia absaugen und vor dem Verfüttern mit „Volvic naturelle“ gründlich spülen.
Literaturnachweis:
[1] Nüchter T, Benoit M, Engel U, Özbek S, Holstein TW (2006): Nanosecond-scale kinetics of nematocyst discharge. Current Biology 16: R316–R318.
VIDEO-GALERIE
Video-Informationen
Alle Filme wurden in Full-HD 16:9 (1920 x 1080 px; 25 fps) aufgenommen. Für eine schnellere Ladezeit sind die Filme hier auf 640 x 360 px als mp4 (H.264) komprimiert.